Schlüsselfigur im Machtzentrum der Genossen

von Bernd Wittkowski, Frankfurt Börsen-Zeitung, 1.6.2018

Allzu viele Fusionen unter den niedersächsischen Kreditgenossenschaften sollten nicht mehr hinzukommen, sonst wird es eng auf der Visitenkarte von Henning Deneke-Jöhrens. Die Ortsbanken der genossenschaftlichen Säule fallen ja häufig durch ihre einprägsamen Namen auf. Die Volksbank eG Hildesheim-Lehrte-Pattensen zum Beispiel ist insoweit fast schon rekordverdächtig.
Getoppt wurde sie freilich zumindest noch von einem Vorgängerinstitut, der Volksbank eG
Lehrte-Springe-Pattensen-Ronnenberg, die 2015 mit der Volksbank Hildesheim eG verschmolzen wurde.Die sperrigen Firmierungen sind eine Folge des seit Jahrzehnten andauernden und in jüngerer Zeit wieder beschleunigten Konsolidierungsprozesses unter den Volks- und Raiffeisenbanken sowie Ergebnis des Umstands, dass sich bei einer Fusion im Sinne von Bodenständigkeit und Partnerschaftlichkeit alle Beteiligten auch im Namen des neuen Gebildes wiederfinden wollen.

"Schön wäre es gewesen" Deneke-Jöhrens ist Vorstandsvorsitzender der in Hildesheim ansässigen Volksbank Hildesheim-Lehrte-Pattensen - mit einer Bilanzsumme von 2,3 Mrd. Euro die Nummer 76 unter 915 genossenschaftlichen Primärinstituten. Seinen Namen sollte man sich spätestens jetzt auch außerhalb des südlichen Niedersachsen merken. Denn der 55-Jährige ist am Mittwoch – von langer Hand so geplant - zum Aufsichtsratsvorsitzenden des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank gewählt worden. Er folgt in diesem Amt auf den in den Ruhestand getretenen Helmut Gottschalk (66). Der war bis Mitte 2017 im Hauptberuf Vorstandssprecher der Volksbank Herrenberg- Nagold-Rottenburg eG. Dem Kontrollorgan gehört Deneke-Jöhrens bereits seit 2006 an. Vor der Fusion mit der WGZ Bank war er stellvertretender Vorsitzender. Diese Funktion übernahm dann bis zur Hauptversammlung am Mittwoch Werner Böhnke (67) von der WGZ. Bei der DZ Bank gibt es, wenn man nicht sehr visionär vorausdenken will, nicht mehr viel zu fusionieren.
Bei der Hildesheimer Volksbank schon, wenigstens theoretisch. Dass das, wie auch im Oberbau der Kredit-genossen, zumindest nicht immer im ersten Anlauf gelingt, musste Deneke-Jöhrens erst im April dieses Jahres leidvoll erfahren. Im vorigen Dezember hatten sein Haus, das 2017 rund 64 000 Mitglieder, 112 000 Kunden, 430 Vollzeitmitarbeiter und 33 Geschäftsstellen (18 weniger als 2016) zählte, und die deutlich kleinere Volksbank Hildesheimer Börde eG auf Basis jeweils einstimmiger Beschlüsse in Vorständen und Aufsichtsräten einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Ziel war es, im Juni 2018 rückwirkend zum Jahresbeginn zu fusionieren. Es wurde auf die allseits sattsam bekannten Gründe verwiesen, in aller gebotenen Kürze: Zinsumfeld, Regulierung, Digitalisierung. Am 13. April kam dann aus Hildesheim eine Pressemitteilung mit der Überschrift "Ein Markt - eine Bank - Schön wäre es gewesen". Die Gremien der Volksbank Hildesheimer Börde befürchteten, bei den Eigentümervertretern nicht die notwendige Mehrheit für die Fusion zu finden. "Mit Bedauern und Verwunderung" quittierte Deneke-Jöhrens die plötzliche Absage erkennbar pikiert. Man habe zwei gesunde Banken zu einem starken Institut in zukunftsgerichteter Unternehmensgröße zusammenführen wollen, und in den geführten Gesprächen und seit Monaten laufenden gemeinsamen Projekten sei nie der leiseste Zweifel daran aufgekommen, dass das gemeinsame Ziel "Ein Markt - eine Bank" noch in diesem Sommer erreicht würde. Nun sei eine Fusion für die Hildesheimer mittelfristig nicht mehr absehbar. Vom Prüfer zum Berater Deneke-Jöhrens, der in seiner Bank als Vorstandsvorsitzender für Strategie,Organe, Öffentlichkeitsarbeit, Vorstandsstab, Privatkunden, Personal und Treasury verantwortlich zeichnet, kann auf eine lupenreine Karriere im Genossenschaftswesen zurückblicken, wobei er allerdings einmal die Seiten gewechselt hat: vom Prüfer zum Banker. Der Ausbildung zum Bankkaufmann bei der ehemaligen Norddeutschen Genossenschaftsbank Anfang der achtziger Jahre folgte das BWL-Studium in Göttingen. Der Berufsweg begann dann 1990 als Prüfungsassistent beim Genossenschaftsverband Berlin-Hannover. Verbandsprüfer, Prüfung und Bestellung zum Steuerberater, Bestellung zum Wirtschaftsprüfer und schließlich Prüfungsdienstleiter in diesem Verband waren die nächsten Stationen, ehe den in Hannover geborenen Landwirtssohn 1999 das Angebot und die Herausforderung lockten, als Prokurist in die Volksbank Lehrte einzutreten. 2001 rückte er in den Vorstand auf. Auch im Zuge mehrerer Fusionen kam der verheiratete Vater zweier Kinder dann 2015 auf seine heutige Position. Eul ist neuer Vize Er ist daneben Vorstand der Norddeutschen Genossenschaftlichen Beteiligungs-AG sowie Mitglied entscheidender Verbundgremien wie des Verbandsrats und des Verwaltungsrats des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und zudem des Verwaltungsrats der BVR-Institutssicherung. Und jetzt noch der Aufsichtsratsvorsitz der DZ Bank: Deneke-Jöhrens ist eine Schlüsselfigur im engsten Machtzentrum der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Zum stellvertretenden Vorsitzenden als Nachfolger Böhnkes wählte der Aufsichtsrat der DZ Bank Martin Eul, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Volksbank. Seitens der Arbeitnehmer ist und bleibt Ulrich Birkenstock, Versicherungsangestellter der R + V Allgemeine, Vize im Kontrollorgan.